Der Glasmurmelsammler
von Cecelia Ahern

Wie bei Peter Pan, wo Tootles seine „wunderbaren Gedanken“ in Murmeln aufbewahrt und dement wird als Erwachsener, weil er sie verliert.

Ich war so an diese Erzählung erinnert beim Lesen! Fergus ist gerade nach einem Schlaganfall im Altenheim, sein Gedächtnis ist gestört. Er erkennt seine Tochter und seine Exfrau, scheint aber einen Teil seines Lebens völlig vergessen zu haben – den Murmelspieler und -sammler. Durch einen Zufall stößt seine Tochter auf seine Sammlung und ihr wird dadurch eine Seite ihres Vaters und somit auch ein Teil seines Lebens offenbart, das ihr bis dahin verschlossen war.
In der Sammlung fehlt ein Teil und Sabrina macht sich auf die Suche nach den Murmeln in der Hoffnung, ihrem Vater Erinnerungen zurückgeben zu können.

Das Buch ist in Kapitel gegliedert, die durchnummeriert sind. Die Kapitel sind unterteilt in Kapitel die „Badeordnung“ und Kapitel die „Murmelspiele“ heißen. Jedes Kapitel hat dann einen inhaltlichen Bezug zum Erleben von Fergus oder von Sabrina. Entsprechend wechseln in den Kapiteln die Ich-Erzähler. In Fergus‘ Kapiteln erfährt man von seiner Jugend, wie er ans Murmelspiel kam, von seinen Brüdern. Mit verschiedenen Murmelspielen und teilweise mit besonderen Murmeln sind Erinnerungen verknüpft. Die Erinnerungen von Fergus sind in fortschreitenden Kapiteln aber chronologisch, sodass es dem Leser leichter fällt, die Figurenentwicklung nachzuvollziehen. Sabrinas Kapitel beschäftigen sich mit der Suche nach den Murmeln, die zu einer Suche ihrer selbst wird. Hier findet sich auch wiederholt der Schauplatz ihrer in Krise befindlichen Ehe wieder.

Die Sprache ist sehr sauber und klar. Es zeigt sich aber ein verschiedenartiger Stil in den unterschiedlichen Kapiteln, was ich sehr gelungen finde!

Dadurch, dass es zwei unabhängige Protagonisten gibt, wird der Leser mehr und mehr zum Allwissenden Leser, trotzdem sind die neuen Informationen und Puzzle-Steinchen so wohl dosiert, dass sich erst schrittweise ein Zusammenfügen des Bildes ermöglicht und der Spannungsbogen so gehalten werden kann.

Fazit: Wirklich schön. An sich eher unspektakulär und ich hatte auch etwas anderes erwartet, die Erzählung hat mich aber dennoch amüsiert und zum Nachdenken angeregt. Ich hatte den Eindruck, dem Leser soll vermittelt werden zu sich und seinen verschiedenen Seiten mit all ihren Eigenheiten zu stehen. „Sei mutig! Sei du selbst!“ scheint uns diese Geschichte zurufen zu wollen!


352 Seiten, erschienen bei Fischer Verlag unter ISBN-13 978-3596193356 9,99 €

Originaltitel: The Marble Collector Übersetzung: Christine Strüh