Schnee der auf Zedern fällt
von David Guterson

Vordergründig ein Kriminalfall, in Wahrheit eine Aufarbeitung des eigenen Lebens vor dem Hintergrund amerikanischer Geschichte.

Die Erzählung spielt im Jahr 1954, in der ein Fischer tot aufgefunden wird und Kabuto Myamoto, ein Fischer japanischer Herkunft,des Mordes beschuldigt wird. Beschrieben werden die Geschehnisse aus Sicht von Ishmael Chandler, der als Journalist arbeitet. Die Geschehnisse sich mit ihm verwoben, da die Ehefrau des Beschuldigten seine Jugendliebe ist und er von der gleichen Insel stammt. Den erzählerischen Rahmen bildet die Gerichtsverhandlung Myamotos. Durch Analepsen in Form von Erinnerungen Ishmaels, wird die Jugend der Protagonisten lebendig. Sie wuchsen auf einer Insel auf, auf der Menschen vom Tourismus, der Fischerei und dem Erdbeeranbau leben. Es herrschten bereits frühe Familienfehden zwischen Heine und Myamoto, die diesen noch zusätzlich belasteten. Ishmael führt parallele Recherchen zu der Gerichtsverhandlung durch, die durch Erinnerungsstücke ergänzt und veranschaulicht werden. In der Auflösung des Falls kommt ihm dann eine entscheidende Rolle zu.

Da die Erzählung, auch durch die Analepsen, dem Leser die amerikanisch-japanischen Kämpfe und die Identitätskrisen von japanischstämmigen Amerikanern wiederholt aufgreift, entsteht eine anregende Atmosphäre. Der Umgang der amerikanischen Bevölkerung mit Minderheiten, Vorurteile und Abwertungen werden indirekt thematisiert und zugleich drastisch dargelegt. Die wahrgenommenen Unterschiede der japanischstämmigen Gemeinde und der einheimischen Amerikaner, vor allem bezogen auf Abgrenzung von Identitäten, werden beschrieben und zeigen so rassistische Mechanismen auf. Die Diskriminierung amerikanischstämmiger Japaner, die als nach Pearl Harbour interniert wurden und die größtenteils ihre wirtschaftliche Existenzgrundlagen verloren, wird thematisiert. Für den offenen Leser eine Anregung sich mit der amerikanischen Geschichte vertieft zu befassen.

Man bemerkt die autobiografischen Anteile der Erzählung. Die Heimatinseln von Guterson (Puget Sound) bieten der Geschichte den Schauplatz und werden sehr detailreich beschrieben. Der Leser bemerkt den liebevollen Blick Gutersons in den Jugenderzählungen Ishmaels.

Zunächst verwirrend und anspruchsvoll für den Leser, gelingt es Guterson ein außergewöhnlich spannendes und zugleich poetisches Werk zu verfassen. Trotzdem die zentrale Handlung ein kriminalistisches Thema ist, fängt er geschichtliche Aspekte und Gefühle mit ein und fesselt den Leser mit mitreißenden Anekdoten aus dem Leben seiner Figuren. Der Angeklagte selbst ist nicht wirklich Hauptperson des Romans und bleibt in seiner Persönlichkeit nahezu unbekannt.

Fazit: Guterson beschreibt auf eine wirklich schöne und warmherzige Art seine Figuren. Großartig diesen Aspekt der amerikanischen Geschichte zu thematisieren, eine Liebe zu zeigen, die nicht sein darf und eine Heldenentwicklung die überrascht. Unbedingt lesenswert!


504 Seiten, erschienen bei btb Verlag unter ISBN-13 978-3442722495
neu erschienen bei dtv unter ISBN-13 978-3423143615

Originaltitel: Snow falling on Cedars Übersetzung: Christa Krüger