Scarlett
von Alexandra Ripley

Von „verschieben wir’s auf morgen“ zu DER O’Hara. Scarlett macht in der Fortsetzung zu „Vom Winde verweht“ eine enorme Entwicklung durch. War sie ihrer stoischen und fast schon ignoranten Haltung in der ursprünglichen Erzählung stets treu, gelingt es Ripley doch die Figur der Scarlett mittels getroffener Entscheidungen und bewältigter Schicksalsschläge deutlich sympathischer zu gestalten.

Scarlett findet sich vor den Trümmern ihrer Ehe wieder – verlassen von dem Mann der sie um ihrerselbst Willen liebte, allein, frei ihren Jugendschwarm Ashley endlich zu heiraten – und sie ist unzufrieden und unglücklich. Auf der Suche nach ihrer Selbst zieht es sie nach Irland zu den Verwandten ihres Vaters.
Scarlett durchlebt viele verschiedene neue Situationen, lernt neue Menschen kennen und auch ihr bekannter Geschäftssinn bringt sie wieder weiter.
Weiter hat Scarlett ihre Ehe noch nicht aufgegeben und sucht wiederholt Kontakt zu Rhett oder indirekt zu seiner Familie.

Für alle die es interessiert, ob die größte Liebesgeschichte des 19. Jahrhunderts ein positives Ende findet oder ob Scarlett und Rhett mit anderen glücklich werden, der möge sich durch diese 700 Seiten kämpfen 😉

Sprachlich kommt die Fortsetzung nicht an die Qualität des Originals von Margaret Mitchell heran. Das Original ist glaubhafter, ehrlicher und detaillierter. Die Andersartigkeit von Scarlett macht es zwar leichter sie zu „mögen“, es gelingt aber nicht mit ihr zu fiebern. Der Leser wünscht sich nicht kontinuierlich andere Entscheidungen und ist gespannt wie es weiter geht. Mir als Leser fiel dabei das Wort „mainstreamiger“ ein, es ist einfach leichter zu lesen, Ripley scheint die Leser mit ihrer Geschichte „bedienen“ zu wollen.

Fazit: Ich empfand das Ende von „Vom Winde verweht“ so traurig und schade und wollte so unbedingt, dass es weiter geht. Wahrscheinlich ging es auch Ripley so. Ich muss aber sagen, dass die Figuren sich nicht ähneln sondern gänzlich andere Charaktere sind und das fand ich frustrierend. In der New York Times wurde es rezensiert als „the fearless act of cultural cannibalism that dares to dust off these famously star-crossed lovers and thrust them forward into the worlds of „Dallas,“ daytime soap opera and Judith Krantz“. Und damit hatten sie recht… Schade!


784 Seiten, erschienen bei Hoffmann und Campe Verlag unter ISBN-13 978-3455063264 Hardcover 29,90€

Originaltitel: Scarlett Übersetzung: Karin Kersten