Animant Crumbs Staubchronik
von Lin Rina

Eine Tochter aus gutem Hause, aufsässig, aufmüpfig, anders. Der Wunsch sich aus dem Patriarchat zu befreien und ihr unstetes Herz…

… so lässt sich mit wenigen Worten Lin Rinas Roman beschreiben. Animant Crumb ist unzufrieden in dem kleinbürgerlichen Ort aus dem sie kommt, mit der Mutter die stets versucht ihr eine „gute Partie“ zu verschaffen und flüchtet sich in Bücher bis sich durch ihren Onkel die Möglichkeit ergibt in London als Bibliothekarsassistentin zu arbeiten. Erst voller Enthusiasmus versteht Animant bereits nach kurzer Zeit, warum die Stelle vakant war – der Bibliothekar ist unausstehlich und es stellt sich schnell die Frage: Wird Animant durchhalten?

Die Erzählung ist wirklich schön. Der sprachliche Stil ist authentisch und klar. Rina verwendet keine blumigen Ausschmücken oder schwülstigen Beschreibungen und doch gelingt es ihr das London des 19. Jahrhunderts vor dem inneren Auge des Lesers aufblühen zu lassen.

Lin Rina führt einen durch die Tage des Dezembers und lässt den Leser Animant begleiten. Ich mochte besonders die Passagen in der Bibliothek, die so einladend und staubig-gemütlich wirkten. Die Struktur der Erzählung ist sehr klar und gut strukturiert. Es bietet sich förmlich an, die Erzählung zu den gleichen Daten zu lesen und so mit Animant durch die Straßen Londons zu streifen. Und dabei ist die Handlung so herrlich entspannt und unaufgeregt!

Inhaltlich erinnert die Erzählung mich sehr an die Welt von Jane Austen. Es ist wirklich sehr herzzerreißend und aufwühlend Animants Erkundung ihres Herzens zu begleiten. Rina lässt auch die antisemitische Problematik mit einfließen und vermittelt durch die Protagonistin eine offene und wohlwollende Haltung.

Fazit: Ich kann den Hype mehr als verstehen, der um dieses Buch gemacht wurde! Es ist so schön, eine solche Erzählung zu lesen und das mit dem Wissen, dass sie aus unserer Zeit stammt! Gang klare Leseempfehlung!


550 Seiten, erschienen bei Drachenmond Verlag unter ISBN-13 978-3-95991-391-1 16,90€