Mordsfreunde
von Nele Neuhaus

Der zweite Band der Taunuskrimis. Ein Umweltaktivist wird im Opel-Zoo in Kronberg tot aufgefunden. Er hatte sich gegen den Ausbau einer Bundesstraße stark gemacht und brachte mit seinen Enthüllungen mächtige Menschen aus Politik und Baubranche in Schwierigkeiten. War das sein Verhängnis?

In dem Umfeld des Opfers befanden sich viele Jugendliche und Abiturienten, die von dessen Ideen angezogen wurden. Die Ermittlungen ergaben auch diverse private Verstrickungen um das Opfer und dessen Partnerin und Ex-Frau. Nele Neuhaus baut auch in diesem Roman wieder ein weites Netz von Verdächtigen auf und verwebt diese mit Figuren aus dem vorherigen Band.
Die Auflösung ist recht überraschend und nimmt einige interessante Wendungen. Der Leser hat aber recht leicht die Möglichkeit auf den entsprechenden Charakter zu kommen, da die Beschreibung wenig subtil ist.
Einer der Figuren leidet an einer Multiplen Persönlichkeitsstörung. Die Erklärung ist aber unsauber und der Vergleich mit Schizophrenie ist inhaltlich falsch, da es sich hierbei um eine dissoziative Symptomatik handelt. Die Erkrankung war ja häufig schon Thema in Krimis, da sie einen recht reißerischen, sensationellen Charakter hat. An sich ist es aber ein sehr kontrovers diskutiertes Störungsbild und ich sehe es als sehr kritisch an, ein solches Thema kurz einzustreuen um Aufregung zu schaffen und einen Charakter interessant zu machen.

Auch in diesem Band bekommen die privaten Entwicklungen von Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein wieder viel Raum. Pia lernt während den Ermittlungen einen Mann kennen, der sie anhaltend beschäftigt und den sie gern näher kennenlernen möchte. Dass diese Inhalte sehr präsent sind macht es sehr wichtig, die Buchreihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Sonst ist es irgendwie verwirrend und unnötig und der Leser fragt sich ob es eine besondere Relevanz hat, die er noch nicht erkennt. Neuhaus nutzt diese Elemente wahrscheinlich um sich mit „Stammlesern“ zu verbinden, lebt es aber für meinen Geschmack zu sehr aus.

Ebenso ist die Region des Taunus – in diesem Band besonders Königstein – der Autorin scheinbar sehr wichtig. Es werden verschiedene Details der Umgebung dargestellt. Ortsansässigen Lesern kann dies gut gefallen und sie können die Schauplätze des Krimis selbst besuchen.

Bei dem Cover finde ich es gestalterisch sehr schön, dass das Schloss von der Ferne betrachtet wie eine Pistole aussieht. Die Passung zur Geschichte vermisse ich aber etwas, da das Cover eher eine Geiselnahme oder Entführung suggeriert.

Fazit: Ein Krimi, dessen Spannungsbogen sehr gut aufgebaut ist und den ich mal wieder schnell durchgelesen habe. So gefallen mir die Taunuskrimis! Dieses Band empfinde ich als lesenswert!


400 Seiten, erschienen bei Ullstein unter ISBN-13 978-3-548-60886-0 6,66€