Vom Winde verweht
von Margaret Mitchell

Scarlett ist die Tochter des Plantagenbesitzers Gerald O’Hara. Ihr Leben dreht sich nur um Kleidung und die Söhne der anderen reichen Familien – darum einen guten Fang zu machen. Scarlett ist verliebt. In Ashley Wilkes, einen ihrer Jugendfreunde. Es wird Krieg erklärt, der Sezessionskrieg zwischen Süd- und Nordstaatlern beginnt und Scarletts Welt bricht zusammen – aber nicht wegen des Krieges! Sondern weil Ashley seine Cousine heiratet.
Und da trifft sie auch Rhett Butler – und sie mag ihn nicht. Scarlett macht in der Erzählung eine enorme Entwicklung durch. Sie rettet Ashleys Frau und Kind, führt die Plantage und lässt sie wieder erfolgreich sein. Zunächst spielt Rhett keine besondere Rolle in ihrem Leben. Aber er interessiert sich für sie – sie fasziniert ihn, sie ist ungebändigt und rücksichtslos und egozentrisch. Scarlett führt mehrere Ehen, heiratet aber aus ökonomischen Gründen. Und Rhett – selbst eine narzisstische Figur – wartet auf sie, bis sie bereit für ihn ist, damit sie auch einmal zum Spaß heiratet und nicht des Geldes wegen. Und der Leser stellt sich die Frage ob Scarlett je von Ashley ablassen wird?

Eine großartige Liebesgeschichte, die so viele Wendungen und Schicksalsschläge und Aufs und Abs durchmacht und dabei nicht langweilig oder zäh wirkt sondern den Leser trotzdem bindet.
Achtung Spoiler!
Großartig fand ich auch das Ende. Dass sie sich am Ende einfach nicht haben, dass es Rhett einfach mal genug war und dass genau dann Scarlett ihr Herz zu verstehen lernt und erkennt, was sie wirklich will. Ganz toll und tragisch. Die Blindheit Scarletts gegenüber ihren eigenen Gefühlen zieht sich nahezu über das ganze Buch, wird dem Leser als solches aber erst recht spät klar. Andeutungen finden sich in Fieberträumen von Scarlett, in denen sie nach Rhett ruft, er es aber nicht hört.

Die Sprache gefällt mir wirklich gut! Mitreißend und das über 1000 Seiten. Einige Passagen sind etwas langatmig.

Gerne möchte ich noch die Perspektive thematisieren. Scarlett und alle anderen Protagonisten gehören zu den Südstaatlern. Bei den Sezessionskriegen die Seite, die für den Erhalt der Sklaverei war. Entsprechend wird aus ihrer Sicht erzählt, die „Yankees“ als der Feind und schlecht dargestellt. Scarletts Einstellung wird gut deutlich in ihrem Ausspruch „Vater hat unsere Sklaven stets gut behandelt“. Zweifel an der Sklaverei, an ihrer Art zu Leben werden nicht vermittelt. Es scheint nach dem Krieg eher eine Art Akzeptanz als ein tiefes Verständnis zu sein. Verstärkt wird dies dadurch, dass die ehemals höher gestellten „Haussklaven“ bei der Familie verbleiben obwohl sie nach dem Ende des Krieges befreit sind. Scarlett als Hauptfigur macht diesbezüglich keine echte Entwicklung durch.

Der Inhalt unterscheidet sich in einzelnen Passagen vom Film, worauf ich hier besonders eingehen möchte. Scarlett ist im Film das jüngste Kind ihrer Eltern, im Buch ist sie die mittlere Tochter. Auch sind im Buch zwei Brüder von ihr bereits als Säuglinge verstorben und beerdigt, was im Film nicht thematisiert wird. Weiter bekommt Scarlett mit ihren Ehemännern Kinder, von denen auch eines verstirbt. Bonny, die gemeinsame Tochter mit Rhett, ist also kein Einzelkind.

Fazit: Für mich ein Klassiker der Literaturgeschichte. Eine Liebesgeschichte vermengt mit historischen Passagen über den Sezessionskrieg. Die Autorin vermittelt allerdings eine Haltung, die ich fragwürdig finde. Scarlett verbleibt bis zum Ende in einer „richtigen“ Weltsicht gefangen. Und dabei stellte sich mir klar die Frage: „Was will die Autorin selbst weitergeben?“ Trotzdem, vielleicht auch gerade deshalb, weil das Buch in unserer Zeit vom Leser verlangt sich ihm gegenüber kritisch zu positionieren, möchte ich eine Leseempfehlung aussprechen.


1120 Seiten, erschienen bei btb Verlag unter ISBN-13 978-3442722495
neu erschienen bei ullstein unter ISBN-13 978-3548261898 16,00 €

Originaltitel: Gone with the Wind Übersetzung: Christa Krüger