Alles Glück kommt nie
von Anna Gavalda

Charles erhält einen Brief eines Freundes aus Kindertagen mit nur drei Worten:

Anouk ist tot

Anouk ist die Mutter des besagten Freundes und spielte eine wichtige Rolle in der Kindheit des Protagonisten. Dieser kann mit der Nachricht nicht umgehen.

Die erste Hälfte des Buches fand ich zur Geschichte kaum einen Zugang. Man begleitet den Workaholic (Anm. d. A.) Charles in einem Turnus aus Arbeit und Frustration und Selbstkritik und Selbstmitleid und Vermeidung und…
Die negativen Gefühle, die Verzweiflung mit einer Prise Selbsthass beschreibt Gavalda sehr gut und ich kann mir vorstellen, dass sich diese „Negativheit“ durch das Lesen schlicht auf mich übertragen hat. Ich muss gestehen, der Protagonist hat mich nur noch genervt!

Ab der zweiten Hälfte des Buches wird die Sprache etwas leichter so wie auch Charles Stimmung. Einleitend durch Charles Versuch Alexis zu begegnen, scheint sein Leben eine Entschleunigung zu erleben. Es gibt einige schöne Beschreibungen der Landschaft und besonders der Hof von Kate wird detailreich und ausgeschmückt dargestellt. Charles liebevoller und wohlwollender Blick wird durch die Sprache gut wiedergegeben.

Etwas merkwürdig fand ich einen (vermeintlichen?) Perspektivenwechsel am Anfang des Buches. Ich hatte den Eindruck, eine Passage wird aus der Sicht seiner Schwester Claire erzählt. Dieses Stilmittel fand sich aber im kompletten Buch nur dieses eine Mal, was ich als nicht gelungen empfinde. Es verwirrte mich nur.

Der Stil der Erzählung ist von Selbstgesprächen von Charles geprägt. Diese Selbstgespräche gehen über Ermutigungen, Reflexionen bis zu Selbstvorwürfen. Zu Anfang etwas befremdlich, zumal der Protagonist auch wiederholt sein eidetisches Gedächtnis erwähnt, kann der Leser es als Hinweis auf psychische Besonderheiten (Störungen?) verstehen. Es wird auch nicht konkret als Selbstgespräch gelabelt und könnte entsprechend auch als Stimmenhören und somit als Hinweis auf eine schizophrene Erkrankung verstanden werden.

Fazit: Eine schöne Liebesgeschichte, wenn man das Buch durchhält bis Seite 200. Wie oben angedeutet, empfand ich die ersten Seiten als sehr zäh und anstrengend. Leider hat es mir keinen Lesegenuss verschafft und ich musste mich wirklich durchzwingen. Ich kann nicht genau sagen, was mir missfallen hat. Die Sprache ist nicht schlecht und der Überdruss des Protagonisten ist glaubhaft dargestellt aber die Erzählung ist redundant und nimmt zuviel Raum in Anspruch. Trotz der wirklich schönen Romanze kann ich auf Grund des zähen, unbefriedigenden Anfangs keine Leseempfehlung aussprechen.


608 Seiten, erschienen bei Fischer unter ISBN-13 978-3596185009   9,95€

Originaltitel: La consolante Übersetzung: Ina Kronenberger