Das Geheimnis meines Vaters von dem er selbst nichts wusste
von Bert Sieverding

Roman Book on demand von Bert Sieverding

Der neueste Roman von Bert Sieverding beschreibt die Auseinandersetzung eines Mittvierzigers mit der Beziehung die er zu seinem Vater hatte und mit sich selbst.

Das Thema fand ich wirklich sehr interessant und mir gefiel die Idee, dass sich nach dem Tod ein neuer Blick auf den Verstorbenen, dessen Persönlichkeit und vielleicht auch die Beziehung, die man zu ihm hatte, ergibt. Dies war zumindest die Erwartung, die ich an den Roman hatte. Möglicherweise hatte ich auch von dem Titel darauf geschlossen.

Die Geschichte hat wirklich ein großes Potenzial. Es gibt immer wieder Analepsen im Rahmen von Erinnerungen des Protagonisten oder der Nebenfiguren. Die Art wie diese aufgebaut wurden ist sehr plastisch und nah am Leser gehalten. Der Schreibstil von Bert Sieverding ist wirklich großartig, mir gefällt die Wortwahl und der Satzbau! Der Leser weiß nur das, was auch der Protagonist erfährt. Er kennt dessen Innenwelt, sowie die Welt wie er sie sieht und die Informationen die er selbst erhält.

Der Protagonist ist als Figur zunächst sehr glaubhaft, wird als verschroben und etwas merkwürdig eingeführt. Diese Eigenheiten bleiben erhalten, schwingen indirekt mit. Die Sinnhaftigkeit warum das allerdings so explizit dargestellt wird, blieb mir verborgen. Es hat weder einen besonderen Einfluss auf die Geschichte, noch macht der „Held“ eine Entwicklung diesbezüglich durch. Ich hätte mir gewünscht, dass die Persönlichkeitsentwicklung, die der Protagonist durchmacht mehr Raum erhalten hätte und weniger als zufälliges Geschehenis dargestellt wird, in das er so „hineinstolpert“.

Einen großen Raum nimmt das Erbe ein. Und tatsächlich hatte ich erwartet, dass in diesem Kontext das Geheimnis gelüftet würde. Und es werden auch Zusammenhänge offenbart und erläutert. Dies geschieht aber nahezu nebensächlich, es entsteht kein wirklicher Spannungsbogen und es hat sich mir auch nur bedingt erschlossen.
Auch gibt es weitere Hinweise auf das Geheimnis. Die Auflösung als solche nimmt allerdings kaum Raum ein und wird sehr schnell „abgefrühstückt“. Es gibt verschiedene mögliche Auslegungen, der Leser erhält aber kaum Informationen. Der Protagonist scheint entsprechende Gedanken nicht zu haben und erscheint fast uninteressiert an einer Aufklärung und einem tieferen Informationsgewinn. Das fand ich sehr enttäuschend.

Fazit: Eine Geschichte mit viel Potenzial, deren Grundidee mir wirklich gefällt. Ich lese aktuell tatsächlich einige Geschichten über Vater-Sohn-Beziehungen, ohne sie explizit auszuwählen und sie regen mich sehr zum Nachdenken an. Mit gefällt es besonders, wenn man als Leser nicht allwissend ist und man so die Möglichkeit hat, sich mit den Figuren gemeinsam zu entwickeln. Da mir Bert Sieverdings Stil sehr gefällt bin ich enttäuscht über die Umsetzung der Geschichte. Mir erschien sie fast planlos, zusammengewürfelt ohne wirkliche Auflösung. Dies ließ mich die Hauptfigur am Ende als wenig glaubhaft erleben. Sehr schade!

Der Roman wurde mir liebenswerterweise als Rezensionsexemplar vom Autor zur Verfügung gestellt.


286 Seiten, erschienen bei Books on Demand unter
ISBN: 978-3-746-03238-2 12,99€