Der Trafikant
von Robert Seethaler

Während die eigentliche Geschichte von dem Trafikantenlehrling Franz handelt, werden scheinbar nebenbei die gesellschaftlichen Folgen des aufsteigenden Nationalsozialismus nach und nach beschrieben und die Auswirkungen auf „den kleinen Bürger“ dargestellt.

Das Buch ist sehr schön gestaltet. Es hat einen zarten, matt-weißen Einband, die Schnittkanten der Seiten sind türkis und das Cover besticht mit einer starken Schlichtheit und Unaufgeregtheit mit reduzierter Schrift und einer schwarz-weiß Fotografie.

Franz kommt aus dem Salzkammergut nach Wien um seine Ausbildung zum Trafikanten zu machen. Die Erzählung geht über knapp sechs Jahre und der Leser begleitet Franz auf dem Weg der Selbstfindung, der Liebe, der Freundschaft. Er lernt unter anderem Sigmund Freud kennen und führt einige interessante Gespräche.

Die nationalsozialistische Bewegung und die Machtergreifung Hitlers beeinflussen die komplette Lebenswelt des Protagonisten und werden immer stärker. Gelungen ist hierbei, dass trotzdem das Erleben des Protagonisten im Vordergrund steht und die Auswirkungen der Geschichte somit so greifbar machen. Die Inhalte sind hier wenig plakativ und die Erlebnisse und die Gefühlswelt werden nicht benannt sondern bleiben im Verborgenen und es obliegt dem Verständnis des Lesers.

Es gelingt Seethaler auf beeindruckende Weise dem Leser zu ermöglichen in die Szenarien einzutauchen. Die Wahrnehmungen von Franz sind so radikal klar und einfach und damit so real und greifbar. Die pure und einfache Erzählweise ist sehr eingängig und schön subtil-humorvoll. Auch verwendet er einige Mundart-Begriffe, was die Erzählung sehr authentisch macht.

Fazit: Obwohl es so viel Literatur gibt über die Zeit, hat mich die Art dieser Erzählung tief beeindruckt. Jede Zigarre kann man schmecken, die Druckerschwärze riechen! Ein wirklich großartiges Leseerlebnis, unbedingt zu empfehlen! Und es ist sehr schön anzusehen!


249 Seiten, erschienen bei Kein & Aber unter ISBN-13 978-3036959092  11,- €