Tausend strahlende Sonnen
von Khaled Hosseini

Gesellschaftskritik ganz anders: Hosseini gelingt es den Leser an die Menschen und die Geschichten heranzuführen und ermöglicht ihm sich ihnen nah und verbunden zu fühlen. So wird deren Verhalten nachvollziehbar und er durchbricht damit Vorurteile und gesellschaftliche Klischées. Hosseini regt zum Denken an und verbleibt dabei recht wertfrei. Er beschreibt, er beurteilt nicht.

Auch in dieser Geschichte geht es um afghanische Schicksale. Protagonisten sind in diesem Buch aber zwei Frauen, die eine ungewöhnliche Freundschaft verbindet. Hosseini beschreibt sehr beeindruckend das Schicksal der jungen Mariam, die mit einem Fremden, 30 Jahre älteren Mann verheiratet wird. Mariam muss Gewalt, Unterdrückung, Leid, Hilflosigkeit und Herabwürdigungen erleiden. Ihr Leben verändert sich als ihr Ehemann sich eine zweite Frau nimmt. Die Erlebnisse von den beiden Frauen sind mit den geschichtlichen Ereingnissen wie dem Sturz des Kommunismus, den Bürgerkriegen und der Taliban-Herrschaft verwoben. Dadurch gelingt dem Leser sich in die Zeit und das Leben der Figuren hineinzuversetzen. Auch gelingt es ihm herausragend, zwischen den grausamen Erlebnissen eine Liebeserzählung aufblühen zu lassen, die den Leser hoffnungsvoller aus dem Roman gehen lässt.

Die Schreibweise wirkt etwas schwerer als beim Drachenläufer, die Passagen scheinen weitläufiger und landatmiger und weniger fesselnd. Die Figuren sind in sich rund und stimmig gestaltet, es gelang mir gut mich in die Frauen hineinzuversetzen. Nach der maßlosen Begeisterung die der Drachenläufer bei mir ausgelöst hat war ich sehr gespannt darauf ein weiteres Buch von Khaled Hosseini zu lesen.

Fazit: ein ausdrucksstarkes Buch mit einer herzzerreissend schrecklichen Geschichte, das meiner Meinung aber nicht an die Großartigkeit des Drachenläufers heranreichen kann. Trotzdem sehr lesenswert!


400 Seiten, erschienen bei Fischer unter ISBN-13: 978-3596030934 9,99€
Originaltitel: A Thousand Splendid Suns Übersetzung: Michael Windgassen