Die wilde Gärtnerin
von Nadja Bucher

Ein Klo auf dem Cover? Gewöhnungsbedürftig. Auf dem Cover einer Familiengeschichte? Fragwürdig. Und gleichzeitig so passend verquer wie die Geschichte selbst.

Nadja Bucher hat eine sehr frische und echte Art zu schreiben. Ihre Romanfiguren lernt man als lebendig und glaubhaft authentisch kennen und es entwickeln sich gekonnt einzigartige skurrile Persönlichkeiten. Auch gelingt es ihr neben dem hoch komplexen Inhalt, der mich trotzdem völlig fesselte, detailliert und sehr plastisch Szenerien und Umgebungen zum Leben zu erwecken.

Der Roman erzählt in Rückblicken verschiedener Zeiten wechselnd mit dem aktuellen Geschehen aus dem Leben der Helen Cerny. Neben den Erzählsträngen die sich mit ihr beschäftigen gibt es noch weitere parallele, die sich im Verlauf der Erzählung immer enger verweben und Zusammenhänge erkennen lassen. Helen, die Protagonistin, beginnt bereits am Beginn des Buches wunderlich zu erscheinen und löste bei mir als Leser eine gewisse Skepsis aus. Die Geschichte gibt einen Einblick in die Entstehung psychischer Probleme, lässt einen aber auch das Ausmaß dieser Probleme und die Einschränkungen erkennen. Im weiteren Verlauf mausert sich das Buch aber als ein Potpourri verschiedener Genres.

Ich habe es zu meinem Geburtstag bekommen und habe mich erst gefragt was das für eine Anspielung sein soll. Es klärte sich aber schnell auf: Die Geschichte spielt in Wien, meiner Geburtsstadt, und wurde als „zeitgenössische Literatur über Wien“ empfohlen.

Fazit: Zunächst eine Herausforderung, durch die Kompexität und die Verstrickungen etwas diffus, lohnt sich das Lesen aber sehr! Die Verschmelzung der Genres und gerade die Komplexität machen das Buch zu einem besonderen Lese-Erlebnis, wenn es dem Leser gelingt sich darauf einzulassen!


300 Seiten, erschienen bei Milena unter ISBN-13: 978-3852862378 16,00€